Thema Vollverzinkung oder Warum ist der Audi 100 ein Langzeitauto?

(©"DerSporti")
Seit 1986 unlackiertes Demonstrationsmodell „Vollverzinkung Audi 100 Avant Modellreihe C3″. (©“DerSporti“)

Bereits zur Einführung des Audi 100 Typ 44 wurden bei 36 % der Karosserie beidseitig verzinkte Bleche verwendet. Ab September 1985, zum Modelljahr 1986, erhielt die Baureihe dann erstmals in der Großserie eine vollverzinkte Karosserie. Dabei wurden für die nicht sichtbaren Teile der Bodengruppe wie z.B. der gesamte Vorderwagen und das einteilige Bodenblech beidseitig feuerverzinkte Bleche und für die im Sichtbereich liegenden Anbauteile, wegen der besseren Oberflächenqualität, wie z.B. Frontklappe, Kotflügel, Türen und Heckklappe beidseitig elektrolytisch verzinkte Bleche verwendet.

Die auf der gesamten Karosserie vorhandene Zinkschicht hat ein Gewicht von ca. 5 kg. Die bisherigen Korrosionsschutzmaßnahmen wie zum Beispiel Zinkphosphatierung, kataphoretische Tauchgrundierung, PVC-Unterbodenschutz und Nahtabdichtung, Elastischer Steinschlag-Schutzfüller und Heiß-Flutwachs-Konservierung blieben im vollen Umfang erhalten.

Bei der Fertigung vollverzinkter Karosserien konnte Audi unter anderem von Erfahrungen bei der Auftragsproduktion des Porsche 924 und 944 im Werk Neckarsulm profitieren und übernahm in der Großserienproduktion eine Vorreiterrolle.

Die erstmalige Einführung vollverzinkter Karosserien in der Großserienproduktion bei Audi resultierte aus langjährigen Fahrversuchen die seit 1975 in korrosionskritischen Umgebungen wie zum Beispiel im Umkreis der Seenplatte im kanadisch-amerikanischen Grenzland mit saurem Regen, Minustemperaturen von 40 Grad und die damit verbundene Verwendung von aggressiven Auftausalzen oder in Florida mit besonders dünner Ozonschicht bzw. starker UV-Strahlung in Verbindung mit einer hochsalzhaltigen Seeluft durchgeführt wurden.

Zusätzlich gab es Untersuchungen in der damals weltweit modernsten Prüfanlage, dem im Jahre 1982 mit einem Kostenaufwand von 12,5 Mio. DM in Betrieb genommenen Audi-Korrosionsschutz-Zentrum Ingolstadt. Kernstück der Untersuchungen war der damals sogenannte „30-Zyklen-Test“ (heute INKA-Test) der in einem Drei-Kammern-System durchgeführt wurde. Dadurch war es möglich innerhalb von 14 Wochen alle Korrosionsverhältnisse nachzuvollziehen, die einer Fahrzeuglaufzeit von 6 Jahren entsprachen.

Dazu wurden bereits ein Jahr vor Serienfertigung werkzeuggefertigte Fahrzeuge vier Tage lang, 16 Stunden am Tag über eine Gesamtstrecke von 2000 km auf einem geheimen Testgelände in Ehra-Lessien auf Rüttel-, Schlacken-, Sand- und Schotterstrecken in Salzwasser- und Schlammdurchfahrten sowie mit künstlichen Beschädigungen wie Kratzern und Beulen vorkonditioniert um die Fahrzeuge dann in den Salzsprüh-, Klima- sowie Rüttel-Kältekammern korrosionskritischen Einflüssen auszusetzen.

(©"DerSporti")
Elektrolytisch verzinkt: Im Sichtbereich liegende Karosseriebereiche: A-Säule, vorderer Kotflügel, Motorhaube und Tür. (©“DerSporti“)
(©"DerSporti")
Elektrolytisch verzinkte Bleche (vorderer Kotflügel) und feuerverzinkte Bleche (Bodenwanne, vorderer Schweller) im Vergleich am Demonstrationsmodell Vollverzinkung Audi 100 Avant C3 (©“DerSporti“)
(©Audi AG)
Konstruktiver Korrosionsschutz: Die einteilige Bodenwanne des Audi 100 Typ44 ohne Schweißnähte. (©Audi AG)

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